Werkgruppe DRAKULA (1970/71)

DRAKULA steht für Drachenkurven, überlagert. Die Drachenkurve ist ein fraktales Objekt. Die grundlegende Idee wurde zuerst von den NASA-Physikern John Heighway, Bruce Banks und William Harter untersucht und 1967 von Martin Gardner in seiner Kolumne Mathematical Games im Scientific American beschrieben. Die mathematische Theorie dazu wurde jedoch erst 1970 von dem Mathematiker Chandler Davis und dem Informatiker Donald Knuth entwickelt. Im gleichen Jahr begann sie Franke für seine computerkünstlerischen Arbeiten zu nutzen.

Drachenkurven entstehen durch Folgen von Links- und Rechtswendungen nach bestimmten Regeln. Das Programm erlaubt es, Drachenkurven verschiedener Ordnung – oder auch Ausschnitte aus solchen – aneinanderzureihen und zu überlagern. Dabei wurden Links- und Rechtswendungen nicht nur in üblicher Weise durch rechtwinklige Knicke, sondern durch mathematisch definierte Elemente, Dreiecke oder mehrfach gekrümmte Kurvenausschnitte, dargestellt. Diese Elemente wurden so konzipiert, dass bei der Überlagerung deutlich erkennbare neue Formelemente durch Überschneidungen und Anlagerungen entstehen. Besonders reizvoll ist die Überlagerung geschlossener Kurvenzüge in verschiedenen Farben. Die Drachenkurven waren für Franke aber auch als Objekt der experimentellen Ästhetik und für seine Studien zur lnformationspsychologie interessant, da hier der seltene Fall einer leichten Möglichkeit zur Angabe ihrer statistischen Information (Komplexität) eintritt; diese ist der Zahl der 0,1-Angaben gleich, die zu ihrem Aufbau verwendet werden. Franke überlagerte auch Drachenkurven – meist gespiegelt – miteinander und nutzte nicht nur gerade Striche als Einzelelemente, sondern setzte dafür auch andere Formen, beispielsweise Halbkreise oder Dreiecke, als Basiselemente ein.

Die Bildserie von DRAKULA entstand mit einem Siemens System 4004, das Fortran-Programm schrieb Peter Henne aus der Gesellschaft für Datenverarbeitung GMD nach detaillierten Vorgaben von Franke. Die Plots wurden von Peter Vordermaier bei der Siemens AG realisiert.