Programmierte Kunst. Frühe Computergrafik

In der Kunsthalle Bremen ist noch bis zum 11. November eine Ausstellung früher Computergrafiken von Georg Nees bis Harold Cohen zu sehen. Anlass ist der 80. Geburtstag von Frieder Nake, dessen Pionier-Arbeiten  ebenfalls gezeigt werden. Ein Großteil der Computergraphiken stammt aus der Sammlung Herbert W. Franke, die 2006 in den Besitz der Kunsthalle Bremen wechselte. Damit wurde das Museum zu einer der weltweit größten Sammlungen der Computerkunst.

Zwei Pioniere im angeregten Gedankenaustausch: Frieder Nake und Herbert W. Franke anlässlich eines gemeinsamen Ausstellungsbesuchs in Bremen.  © space press 
Einstein, eine Bildserie von Herbert W. Franke aus dem Jahr. © space press

Die ersten künstlerischen Computergraphiken entstanden meist von Forschern und Entwicklern, die in der Industrie oder an Universitäten Zugriff auf Großrechner hatten. Gegen Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts begannen sich vermehrt auch Künstler für die neue Technik zu interessieren. Sie gehörten zum Umfeld eines neuen abstrakten Stils, der inzwischen als Konkrete Kunst bezeichnet wird – eine Richtung, deren Künstler ebenfalls oft mathematisch-geometrische Gestaltungsmethoden einsetzten. 

Eines der zentralen Prinzipien der frühen Computergraphik ist der systematisch eingesetzte berechnete Zufall, deshalb besser „Pseudo-Zufall“ zu nennen. Die Programme bestimmen Komposition und formale Aspekte der Bilder und verhindern damit Chaos; die Künstler gaben damit einen Teil der Gestaltung von Bildern mit einem Algorithmus an die „Maschine“ ab, was heute, im Zeitalter von Big Data, nicht sonderlich interessant klingt, aber für die damalige Zeit ein fast revolutionärer Ansatz war und von vielen Künstlern deshalb auch abgelehnt wurde. Wie sich dieses Zufallsprinzip, aber auch die serielle Technik von Künstlern gezielt, aber auch erstaunlich vielfältig einsetzen ließ, das zeigt die sehenswerte Ausstellung in Bremen.