Werkgruppe Computersysteme

Einstein Digital ist eines der frühesten Beispiele der processing art. Zunächst wurde ein Schwarzweiß-Photo von Albert Einstein gescannt und der resultierende digitale Code in einem Lochstreifen gespeichert. Die so aufgenommenen Bilddaten wurden dann in den Bildspeicher N, ein Picture-Processing-System, eingelesen – ein damals noch in der Entwicklung befindliches Gerät der medizinischen Diagnostik. Es hatte den Zweck, Szintigramme, mit denen man die Verteilung von radioaktiven Tracer-Substanzen im Körper von Patienten sichtbar macht, durch Bildtransformationen in visuell gut auswertbare Form zu bringen. An deren Stelle trat nun das Einstein-Foto, das als grobes Rasterbild auf dem Bildschirm ausgegeben und dann unter Sichtkontrolle verschiedenen iterativen Verrechnungsprozessen unterworfen wurde. Die sowohl Form wie auch Farbe betreffenden Transformationen dienten in diesem Fall also nicht der Bildoptimierung, sondern erfolgten nach ästhetischen Gesichtspunkten.

Dabei vollzieht sich eine zunehmende Abstraktion und Vereinfachung bis zur völligen Auflösung des Bildinhalts. Herbert W. Franke drückt damit eine Konsequenz der Einsteinschen Relativitätstheorie aus, nämlich die Auflösung unserer scheinbar konkreten sichtbaren Welt in ein abstraktes Raum-Zeit-Kontinuum. Bei seiner Methode der Bilderzeugung verwandte er eine von ihm oft eingesetzte Methode, nämlich den in einer Zweckentfremdung erfolgten Einsatz des Instrumentariums der Wissenschaft, Technik und Medizin für Zwecke der ästhetischen Gestaltung. 

Die Bilder wurden vom Bildschirm fotografiert und in Form von einzelnen Vergrößerungen in Ausstellungen gezeigt, bekannt wurden auch Darstellungen, in denen neun oder zwölf Bilder in einer Matrixanordnung zusammengefasst und als Offsetdrucke festgehalten wurden. Der digitale Einstein gehört zu den bekanntesten Werken Frankes, das in vielen Publikationen gedruckt wurde.

Zudem gab es mehrere Präsentationen in Überblendungsprojektion, für die Jörg Stelkens, München, am Computer eine Musiksequenz komponierte. Die Serie Einstein Digital gehört zu den frühesten künstlerischen Anwendungen der Picture-Processing-Methode und ist die erste, die zur Präsentation in animierter Form gefertigt wurde.

Entstanden ist die Serie mit dem Siemens-Rechner Bildspeicher N, ein digitales Picture-Processing-System, entwickelt von Hans-Jürgen van Kranenbrock und Helmut Schenk zur medizinischen Diagnostik in den Siemens-Reiniger-Werken für Medizintechnik in Erlangen.

Einstein Digital (1974) – Video in Überblendungstechnik von Einzelbildern

Hier geht es zu den anderen Serien der Werkgruppe Computersysteme:

Serie Grün
Serie KAES
Serie Rotationen/Projektionen
Werkgruppe Digitale Impressionen