







Serie Röntgen Hartstrahlen (1954-1958)

Die frühesten Anstöße, sich mit künstlerischen Experimenten zu befassen, erhielt H. W. Franke im Rahmen seiner Dissertation, in der er sich mit Elektronenoptik beschäftigte. Die ästhetische Qualität der Bilder aus dem Elektronenmikroskop brachte ihn auf den Gedanken, dass sich Instrumente der wissenschaftlichen Fotografie auch für Experimente einsetzen ließen, die nicht der Forschung dienen, sondern ausschließlich der Erzeugung ästhetisch interessanter Bilder. Früh spielte er auch mit dem Gedanken, diese Art von Laborgeräten zu Kunstmaschinen umzubauen. Die erste Werkgruppe, die dieser Idee entsprang, beruhte auf Geräten auf der Basis von Röntgenstrahlen.
Seine Tätigkeit in der Medizintechnik von Siemens Erlangen ermöglichte ihm in der ersten Hälfte der fünfziger Jahre, Versuche in unterschiedlichen Bereichen des elektromagnetischen Schwingungsspektrums zu machen. Zugang zu solchen Geräten erhielt Franke durch einen Kollegen bei Siemens aus dem Forschungs- und Entwicklungsbereich, der bei der technischen Umsetzung der Werke mitwirkte. Er nutzte harte Röntgenstrahlen, wie sie in der Werkzeugprüfung zum Einsatz kamen. Mit ihnen lassen sich Materialien und Werkstoffe wie Stein oder Strahl durchleuchten. Franke dagegen untersuchte in dieser Serie profane Gegenstände des Alltags und us der Küche, aber auch optische Instrumente und Objekte der eigenen Büro-Ausstattung.

Einmal durfte Franke in den Entwicklungslabors auch eine ganz besonderse Maschine aus der Medizintechnik nutzen. Das Betatron von Siemens war in den 1950er Jahren ein Meilenstein in der medizinischen Strahlentherapie, das erste technisch hochentwickelte Großgerät zur Krebsbehandlung. Es handelt sich um einen Elektronen-Kreisbeschleuniger, der Elektronen auf sehr hohe Energien brachte. Diese Elektronen wurden entweder direkt zur Bestrahlung oberflächennaher Tumoren genutzt oder für tiefliegende Tumoren mittels einer Konverterplatte in hochenergetische Röntgenstrahlung (Bremsstrahlung) umgewandelt. Diese Version setzte Frange für dieses Werk ein.

