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Die Welt – ein Computer?

+++ Übersetzung von Herbert W. Frankes naturphilosophischem Buch Das P-Prinzip (1995) gestartet
+++ Dritter Band der Edition Herbert W. Franke beim Deutschen Kunstverlag jetzt in Vorbereitung
+++ Mit-Finanzierung des Projekts durch Ragnar Digital Art Collection über den Ankauf von Werken

Die Online-Sammlung der Ragnar Digital Art Collection öffnete vor kurzem ihre Tore. Sie widmet sich der Erhaltung, Kuratierung und Förderung von Computerkunst  mit physischen Werke aus den 1950er Jahren bis heute. 2025 hat Ragnar Digital im Zuge einer Erweiterung der Collection von der Stiftung Herbert W. Franke drei Bilder erworben, die die bestehende Sammlung von Frankes Werken weiter ergänzen. Wir danken Ragnar Digital herzlich für diesen Ankauf und sind stolz, Teil dieser bedeutenden Collection zu sein.

Wir danken aber auch deshalb, weil der Ankauf der Stiftung die englische Übersetzung des Buches Das P-Prinzip ermöglichte. Es wird in der wissenschaftlich kommentierten deutsch-englischen Edition Herbert W. Franke mit anderen Büchern Frankes erstmals in englischer Übersetzung publiziert. Die Edition wird derzeit von Susanne Päch als Herausgeberin in Zusammenarbeit der Stiftung mit dem Deutschen Kunstverlag aufgebaut. In Kürze werden die ersten beiden Bände veröffentlicht: Kunst und Konstruktion /Art and Construction von 1957 sowie die erste Auflage von Computergrafik – Computerkunst /Computer Graphcis – Computer Art aus dem Jahr 1972. Stiftungs-Gründerin Susanne Päch: „Aus meiner Sicht ist Das P-Prinzip von 1995 Herberts wichtigstes literarisches Werk überhaupt, sein intellektuelles Vermächtnis, auch wenn es damals nicht besonders bekannt geworden ist. Es spiegelt seine umfassende naturphilosophische Vorstellungswelt über das Universum und den Menschen wider, die Welt in der wir leben, mit all unseren Wünschen und Hoffnungen, aber auch den menschlichen Erkenntnisdrang mit dessen Grenzen. Dieses Weltbild war die Grundlage für sein Wirken als Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler.

Prof. Dr. Imre Koncsik, Dogmatiker und Systemtheoretiker, hat für das Buch bereits eine wissenschaftliche Kommentierung fertig gestellt. Darin bezeichnet er Franke zusammenfassend als „Pionier eines algorithmischen Naturalismus“. Franke beschreibt im P-Prinzip – wobei P für das „universale Programm“ steht – die für ihn relevanten Elemente unseres Universums. Erstens: die Anfangsbedingungen einschließlich universaler Konstanten. Zweitens: die Naturgesetze für die evolutionären Prozesse im Kosmos. Damit aber, so meint Franke, ist das Universum nicht voll umfänglich umschrieben. Die Anfangsbedingungen und die Naturgesetze müssten – drittens – in ein übergeordnetes System eingebettet sein, in dem neben den Algorithmen der Naturgesetze auch ein teleologisches Prinzip mit anwachsender Komplexität definiert wird. Er knüpft damit an Gedanken an, die der große Computer-Pionier Konrad Zuse mit „Der Rechnende Raum“ in den 1960er Jahren veröffentlichte.

Mit abstrahierten Weltmodellen auf der Grundlage der von Stephen Wolfram erst in den 1980er Jahren entdeckten Mathematik der eindimensionalen zellularen Automaten untersuchte Franke in den 1990er Jahren den Einfluss des echten Zufalls in unserer Welt auch mit visualisierten Codes. Die daraus gewonnen Erkenntnisse präsentiert Franke auch im P-Prinzip. Er war überzeugt davon, dass unser Weltall vdurch die Quantenphysik durh echten Zufall beeinflusst wird – und damit die Zukunft prinzipiell nicht eindeutig vorhersagbar ist.

Standbild aus einem zellularen Automaten von Franke

Die im P-Prinzip geäußerten Gedanken mäandern zwischen Physik und Metaphysik, wobei Franke zwei Lebensgrundsätzen treu geblieben ist: erstens, stets auf dem Pfad der Wissenschaft zu bleiben – und zweitens: dort, wo die wissenschaftliche Erkenntnis endet und die Metaphysik beginnt, nicht ins Dogma eigener Überzeugungen zu verfallen, sondern Denkmodelle offen zur Diskussion zu stellen.

Das bedeutet aber nicht, dass sich Franke mit Fragen über das Göttliche nicht auseinandergesetzt hätte. Allerdings wechselte er dafür auf die Seite der Kunst, in diesem Fall der Literatur. Hier konnte er seine abstrakten Vorstellungswelten in konkrete Räume und Handlungen einzubauen. In etlichen Romanen und Stories hat er die metaphysischen Grundgedanken seines P-Prinzips in mögliche Wirklichkeitsmodelle transformiert. Zu dieser Thematik wird Prof. Dr. Hans Esselborn einen Beitrag aus literaturwissenschaftlicher Sicht geben.

Drei der zum Thema des P-Prinzips passenden Kurzgeschichten aus der Feder von Franke setzt die Stiftung derzeit übrigens für eine Präsentation im Fulldome von Planetarien multimedial um.