Zum Inhalt springen
Startseite » Computersysteme

Computersysteme

Plakat zur Tanz-Aufführung der Experimentierbühne der Bayerischen Staatsoper

Bei den 16-mm-Filmen Rotationen und Projektionen handelt es sich um eine graphische Realisation mit einem der frühesten dreidimensionalen Programme zur visuellen Echtzeit-Ausgabe von Projektionen räumlicher Bewegungen. Berechnet und ausgegeben wurden sie mit einem interaktiven, graphischen Display des Siemens-Forschungslaboratoriums, München, in Verbindung mit einer digitalen Datenverarbeitungseinheit. Die Anlage erlaubte den interaktiven Betrieb – die Arbeit unter Sichtkontrolle mit Eingriffsmöglichkeiten in den Ablauf; über eine Tastatur wurde bestimmt, in welcher Weise sich die durch das Programm gegebene Grundstruktur realisierte – etwa durch die Angabe der Zahl der Bildelemente, des Schnittwinkels, der Ablaufgeschwindigkeit usw. Sollten statische Bilder ausgegeben werden, so ließ sich die Bewegung zu jedem beliebigen Zeitpunkt festhalten. Der 16-mm-Film wurde in Echtzeit aufgenommen, was aufgrund gelegentlicher Frequenzunterschiede zwischen Kamera und Monitor bei komplexeren Bildstrukturen (vor allem bei Kurven-Strukturen) zu leichtem Flickern der Bilder führte.

Produziert wurden auch einige wenige Plots von statisch gestalteten Bildern, die Franke später als Cluster bezeichnete, um sie von den bewegten Sequenzen abzugrenzen. Die Gestaltung statischer Bilder erlaubte eine wesentlich komplexere Struktur, da es dafür keiner Begrenzung wie bei den in echtzeit berechneten dynamischen Sequenzen bedurfte. 2017 hat Franke diese Plots iauch als sogenannte „Reliefs“ in DinA3 verarbeitet. Für diese Mini-Serie von 3 Bildern je Motiv (+ 2 artist proofs) setzte er ein DinA3-Kopiersystem für Blindenschrift eibn, mit dem die schwarzen Linien durch einen chemischen Prozess eine Reliefstruktur erhielten. Diese Methode hatte er bereits 1995 für andere Motive dieser Serie verwendet. Damals gab es den Kopierer für Braille-Schrift jedoch nur im DinA4-Format.

Serie „Cluster“ – statische Bilder aus dem System.

Das Basisprogramm, das Herbert W. Franke für seine Experimente nutzte, stammt von Gerhard Geitz, Monika Gonauser, Egon Hoerbst und Peter Schinner. Franke selbst hat jedoch die visuelle Gestaltung der Aufnahme grafisch konzipiert und dann am Rechner auch die Echtzeitbewegungen gesteuert.

Franke bei der Demonstration in einer Sendung für den ORF
ressefoto mit dem Tänzer Gerald Bohner

Sequenzen aus dem Film Projektionen dienten 1974 als bewegtes Bühnenbild, projiziert auf eine Leinwand, für eine experimentelle Tanzvorführung mit Gerald Bohner in der Experimentierbühne der Bayerischen Staatsoper München in der Regie von Walter Haupt.

Weiter hat Herbert W. Franke Sequenzen genutzt, um daraus einen längeren Film Rotationen mit unterlegter elektronischer Musik des Akkustik-Künstlers Peter Scheffler zu gestalten. Er war Psychologe an der Uni Innsbruck. Das von Scheffler als „Roboter“ bezeichnete Sound-System setzte die Höhenstrahlung aus dem Weltraum mit Schaltungen in tonale Effekte um.

Mehr Serien von Herbert W. Franke hier