Zwei Pioniere im Jahrzehnte währenden Dialog über Kunst und Wissenschaft



Die experimentellen Jahre der ungegenständlichen Fotografie waren geprägt von Debatten und Positionsbestimmungen einer jungen Generation. Nachdem Gottfried Jäger 1958 das Buch Kunst und Konstruktion des Computerpioniers und Science-Fiction-Autors Herbert W. Franke entdeckt hatte, entwickelte sich über Jahrzehnte hinweg ein intensiver künstlerischer Austausch. Die Vernissage der Ausstellung im Museum Folkwang fand gestern Abend statt.
HERBERT W. FRANKE / GOTTFRIED JÄGER
Kunst und Konstruktion
Museum Folkwang, Essen, 16. Oktober 2026 – 10. Januar 2027





Herbert W. Frankes Serien, die in der Ausstellung zu sehen sind, und die auf einer umfangreichen Schenkung basieren: Generative Fotografie (1950s), Quadrate (1970), DRAKULA (1970/71), Fischertechnik-Plots (~1970), Farbraster (1973), MONDRIAN (1979), MATH Art (1980s) – und eine ästhetische Fotoserie von Höhlensintern (1960s).
Premiere im Folkwang: eine ästhetische Fotoserie von Franke aus den 1960er Jahren
Das Museum Folkwang zeigt in der Ausstellung zum ersten Mal Herbert W. Frankes ästhetische Speläothem-Fotografie – eine wegweisende Serie, die in den 1960er Jahren in unterschiedlcihen Höhlen Eruopas enstand. Frankes Faszination für die dunkle Welt der Tropfsteine begann in österreichischen Höhlen während seines Studiums der Physik kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und sollte sein gesamtes Leben prägen. Als Wissenschaftler führte sie ihn 1951 dazu, Pionierarbeit bei der Theorie der C14-Datierung dieser Strukturen zu leisten. Da das Wachstum von Speläothemen als kontinuierliche mathematische Funktion dargestellt werden kann, die zum Wachstum glatter Kurven führt, inspirierte dies auch Frankes grundlegende Ideen zur rationalen Ästhetik. In seinem ikonischen Buch Kunst und Konstruktion: Physik und Mathematik als fotografisches Experiment (das übrigens gerade bei DKV in einer neuen Print- und Online-Ausgabe erscheint) schlug er die Brücke zwischen Naturwissenschaften und Kunst. Genau dieses Buch wurde von dem damaligen Fotografie-Studenten Gottfried Jäger (*1937) gelesen, was den Funken für einen lebenslangen künstlerischen Austausch und eine tiefe, beständige Freundschaft gab.






