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Vernissage im Museum Folkwang

Die experimentellen Jahre der ungegenständlichen Fotografie waren geprägt von Debatten und Positionsbestimmungen einer jungen Generation. Nachdem Gottfried Jäger 1958 das Buch Kunst und Konstruktion des Computerpioniers und Science-Fiction-Autors Herbert W. Franke entdeckt hatte, entwickelte sich über Jahrzehnte hinweg ein intensiver künstlerischer Austausch. Die Vernissage der Ausstellung im Museum Folkwang fand gestern Abend statt.


Herbert W. Frankes Serien, die in der Ausstellung zu sehen sind, und die auf einer umfangreichen Schenkung basieren: Generative Fotografie (1950s), Quadrate (1970), DRAKULA (1970/71), Fischertechnik-Plots (~1970), Farbraster (1973), MONDRIAN (1979), MATH Art (1980s) – und eine ästhetische Fotoserie von Höhlensintern (1960s).

Das Museum Folkwang zeigt in der Ausstellung zum ersten Mal Herbert W. Frankes ästhetische Speläothem-Fotografie – eine wegweisende Serie, die in den 1960er Jahren in unterschiedlcihen Höhlen Eruopas enstand. Frankes Faszination für die dunkle Welt der Tropfsteine begann in österreichischen Höhlen während seines Studiums der Physik kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und sollte sein gesamtes Leben prägen. Als Wissenschaftler führte sie ihn 1951 dazu, Pionierarbeit bei der Theorie der C14-Datierung dieser Strukturen zu leisten. Da das Wachstum von Speläothemen als kontinuierliche mathematische Funktion dargestellt werden kann, die zum Wachstum glatter Kurven führt, inspirierte dies auch Frankes grundlegende Ideen zur rationalen Ästhetik. In seinem ikonischen Buch Kunst und Konstruktion: Physik und Mathematik als fotografisches Experiment (das übrigens gerade bei DKV in einer neuen Print- und Online-Ausgabe erscheint) schlug er die Brücke zwischen Naturwissenschaften und Kunst. Genau dieses Buch wurde von dem damaligen Fotografie-Studenten Gottfried Jäger (*1937) gelesen, was den Funken für einen lebenslangen künstlerischen Austausch und eine tiefe, beständige Freundschaft gab.

Historische Weltpremiere (oben und mittig): Die Speläothem-Serie aus den 1960er-Jahren in der Ausstellung FRANKE / JÄGER. Art and Construction des Museum Folkwang. Eine zeitlos schöne Erkundung unterirdischer Kunstformen der Natur.
Konvergenz von Physik und Ästhetik (rechts): Erstmals 1958 veröffentlicht, wurde diese weg-weisende Vision nun von der Stiftung und dem DKV vollständig wiederentdeckt, neu aufgelegt und zum allerersten Mal ins Englische übersetzt. Sie enthält ergänzenden Artikel des Autors sowie wissenschaftlichen Kommentaren.

Die Finissage der Ausstellung findet am 9. und 10. Januar 2027 in einer Doppel-Veranstaltung statt. Offiziell beendet wird sie am 10. Januar mit einer Matinee im Museum: die künstlerische Aufführung eines generativen Werkes von Gottfried Jäger sowie in einer ausgelagerten Veranstaltung schon am Abend davor. Denn am 9. Januar findet der erste Teil im nahegelegenen Planetarium Bochum statt. Das Event mit dem Titel Kosmische Konstruktionen. Dome-Nocturne der Ausstellung Franke/Jäger im Museum Folkwang ist nicht nur der erste Teil der Finissage, sondern auch die feierliche Eröffnung des internationalen Eventjahres Herbert W. Franke 100, das die Stiftung zu Ehren ihres visionären Namensgebers zum runden Geburstag organisiert. In der Kuppel des Planetariums werden Multimedia-Produktionen gezeigt, die Lesungen von Frankes Science-Fiction mit immersiver Umsetzung bekannter Künstler zeigen.